🇮🇹🇩🇪 Workation in Rom: Was ich über Finanzregulierung gelernt habe
Letzte Woche durfte ich eine Workation in Rom verbringen – zwischen Espresso und diesen spannenden Diskussionen über Finanzregulierung:
🏦 Banken: EU dominiert – Unterschiede im Detail
Durch die Aufsicht sind die Rahmenbedingungen in Deutschland und Italien stark harmonisiert. Kapitalanforderungen, SREP, Reporting – weitgehend identisch, aber:
- 🇩🇪 Deutschland: Aufsicht über BaFin + Bundesbank → arbeitsteilig & strukturiert
- 🇮🇹 Italien: stärker gebündelt bei Banca d’Italia
➡️ Unterschied liegt weniger im Was, sondern im Wie der Aufsicht
📈 Asset Management / KVGen: Die Unterschiede:
- 🇩🇪 Deutschland: ➝ klares, zentrales Modell über BaFin (KAGB) ➝ dadurch: klare Zuständigkeiten
- 🇮🇹 Italien: ➝ duales System über Banca d’Italia (Stabilität) und CONSOB (Marktverhalten) ➝ dadurch mehr Abstimmung und mehr Flexibilität
🌱 ESG: formal gleich – Umsetzung unterschiedlich
EU-weit gelten für beide Märkte: SFDR, EU-Taxonomie, ESG-Integration in MiFID II / UCITS / AIFMD.Unterschied ergeben sich in der Praxis:
- 🇩🇪 Deutschland → stark formalisiert mit Fokus auf Dokumentation, Klassifizierung (Art. 6/8/9), hohe Prüfungsintensität durch BaFin
- 🇮🇹 Italien → vergleichbare regulatorische Anforderungen, Umsetzung durch Banca d’Italia und CONSOB
⚖️ Regulatorische Kultur (der größte Unterschied)
Das vielleicht wichtigste Learning:
- 🇩🇪 Deutschland → rule-based, formal, vorhersehbar. In Deutschland wird geprüft, ob du die Regel erfüllst.
- 🇮🇹 Italien → principles-based, dialogorientiert. In Italien wird diskutiert, wie du sie erfüllst.
⚙️ Proportionalität & Praxis
Gerade für kleinere Institute relevant:
- 🇩🇪 Deutschland: oft strenge Auslegung
- 🇮🇹 Italien: stärker gelebte Proportionalität
➡️ Besonders im Asset Management kann Italien dadurch attraktiver sein
🧠 Mein persönliches Fazit
Die EU hat die Regeln vereinheitlicht – aber nicht die die komplette Aufsichtskultur.
👉 Für große Institute: Unterschiede gering, Für kleinere Player (z.B. AIFM, Boutique-KVGen): Unterschiede strategisch entscheidend
Regulierung ist nicht nur Gesetzestext – sondern auch Kultur, Interpretation und Zusammenarbeit mit der Aufsicht.


